AglowVor 25 Jahren – kurz vor dem Mauerfall - tauchten bei unserem Pfarrer-Ehepaar in der Nähe von Potdam, Frauen aus West-Berlin auf. Diese AGLOW-Frauen hatten im Herzen einen komischen Namen, nämlich den Namen Sunrise. Sie meinten, diese Frau solle doch unbedingt zur Internationalen AGLOW-Konferenz nach San Antonio in den USA fahren. Aber sie konnten sich nicht vorstellen, dass jemand „Sunrise" heißt ...

Tja, unser Pfarrerehepaar hat ihnen dann erzählt, dass eine Frau mit genau diesem Namen bei ihnen im Ort wohnt, ich habe zu der Zeit bereits in der kirchlichen Frauenarbeit ein bisschen mitgearbeitet. Auf diese ungewöhnliche Art habe ich dann die Einladung bekommen nach San Antonio, sprich nach Amerika, zu reisen. Und das als Ost-Frau, die nicht mal den Westen kannte! Wir haben dann einen Antrag im Konsulat in Berlin gestellt. Daraufhin wurden natürlich viele Informationen eingeholt, zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis. Die Regierung wollte ja wissen, ob man überhaupt würdig wäre, dorthin zu fahren und ob ich auch wieder zurückkommen und nicht in Amerika bleiben wolle.

Schon bevor ich abgefahren war, war die Mauer eingestürzt!

Ich werde es niemals vergessen: Am 5. November 1989 durfte ich tatsächlich mit Zittern und Zagen nach Berlin ins Konsistorium kommen – und in der Tat: Ich durfte fahren. Ich bekam einen Diplomaten Pass. Am 9. November war der Mauerfall, das heißt: Schon bevor ich abgefahren war, war die Mauer eingestürzt.

Wir waren drei Frauen aus dem Osten, die dann zum Bahnhof Checkpoint Charlie mit unsern Koffern gegangen sind. Ich wurde dort erst mal von einem Polizisten angeschnautzt, weil ich auf einem falschen Bahnsteig war. Ich habe dann meinen Diplomaten-Pass rausgezogen, er hat sich entschuldigt und gefragt, ob er wohl meinen Koffer tragen dürfte. Das hat er tatsächlich gemacht und wir sind nach Frankfurt am Main gereist zu einer AGLOW Frau, Ursula Giebel, die dort die Gruppe geleitet hat.

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Von dort aus sind wir dann nach San Antonio, Texas geflogen. Auf dem Hinflug, der ja der erste Flug in meinem Leben war und gleich viele Stunden gedauert hat, durfte ich sogar vorne ins Cockpit zu Captain Berger kommen. Er hat mir das ganze Flugzeug erklärt und gesagt: „Ach, Sie kommen aus dem Osten, da kann ich Ihnen die letzten Schalter auch noch erklären, die STASI weiß eh schon alles." Es war wirklich unglaublich bewegend und ich habe das gleich in mein Tagebuch geschrieben und mir eine Unterschrift geben lassen, weil ich dachte, das glaubt dir kein Mensch: Dein erster Flug und jetzt bist du vorne beim Kapitän!

Ich habe mich das erste Mal in meinem Leben gefreut, unsere Fahne tragen zu dürfen

Wir kamen dort also an bei der Konferenz. Bei jeder Internationalen AGLOW-Konferenz gibt es ja eine Fahnenparade. Und ich war von uns drei Ost-Frauen auserkoren unser Land zu vertreten! Möglichst in einer Landestracht, die wir als Berliner natürlich nicht haben, ich habe also tatsächlich ein Dirndl angezogen. Dann hieß es, ich solle mit der damaligen AGLOW-Deutschlandleiterin Hannelore Illgen Hand in Hand unter der Fahne von Westdeutschland einmarschieren, weil sie keine DDR-Fahne hatten. Kurioser Weise hatte ich aber eine Fahne im Koffer, sie war doppelt so groß wie die Westfahne. Außerdem war sie aus schwerem Leinenstoff. Ich habe gedacht, ich schaffe es nicht, sie die ganzen Runde in der Veranstaltungsarena zu tragen.AGlow

Wir haben dort also eine riesige Runde gedreht und die anwesenden zehn- bis fünfzehntausend AGLOW-Frauen aus aller Welt standen auf, weinten und jubelten. Ich habe mich das erste Mal in meinem Leben gefreut, unsere Fahne tragen zu dürfen, sonst hatten wir immer Ärger, weil wir sie nicht geflaggt hatten. Das kann man überhaupt nicht beschreiben, es war ein unglaubliches Gefühl! Dann stellten sich die Flaggenträger aus allen Nationen im Kreis auf, und die Teilnehmerinnen sollten für die Nation beten, die sie auf dem Herzen haben und ihre Hände ausstrecken. Die waren fast alle nur zu uns ausgerichtet, es war unglaublich!

Eine Micky Maus von Gott

Wir sind dort überreich beschenkt worden, jeder hatte für uns Geld und kofferweise Klamotten mitgebracht, wir hatten zum Schluss 16 zusätzliche Koffer! Die Westfrauen haben alle einen zusätzlichen Koffer mitgenommen, die kamen dann irgendwann alle in Berlin an und da hab ich die dann mit meinem Vater abgeholt. Es war unglaublich! Gott erfüllt ja auch Herzenswünsche, auch wenn sie noch so lächerlich erscheinen. Ich habe mir von Herzen eine Micky Maus gewünscht, selbst mit meinen 30 Jahren.

AGLOWAuf einem Empfangsabend während der Konferenz kam eine Frau aus Australien auf mich zu und hat gesagt: Gott habe ihr gezeigt, sie soll mir eine Micky Maus schenken. Und sie hat mir tatsächlich eine wunderschöne Plüsch-Micky Maus geschenkt, die ich heute noch habe. Aber Gott hat noch einen Bonus draufgesetzt: Es kam noch eine Frau mit einer Plastik-Micky Maus als Spardose und meinte auch, dass sie den Auftrag habe mir diese Micky Maus zu schenken.

Solche Dinge kann einfach nur Gott machen, weil ich ja niemandem davon erzählt hatte, dass ich mir eine Micky Maus wünsche. Das war für mich wirklich so ein Liebesbeweis: Gott erfüllt uns kleine und große Wünsche. Wir wurden dann auf der Bühne interviewt und am nächsten Tag waren wir in allen Zeitschriften dort. Da fährt man einmal nach Amerika und schon ist man in der Zeitung...

Bei der Konferenz kam eine Frau auf mich zu und hat mir gesagt, dass sie ein Wort von Gott für mich hat: Ich würde eine AGLOW-Gruppe leiten. Und so ist es auch gekommen, sie hat auch gesagt, dass unsere Gruppe vollkommen anders sein würde als alle anderen Gruppen, dass sie mit einer Kirchengemeinde verwoben sein werde, so wie dieses dreigeschwungene Seil und genauso ist es bis heute. Ich leite jetzt seit 25 Jahren diese AGLOW-Gruppe und habe wirklich sehr viel Freude daran.

Sunrise Dwucet ist 54 Jahr alt und arbeitet seit 20 Jahren selbstständig als Haut- und Makeup- Beraterin. Sie leitet die AGLOW-Gruppe Götz in Brandenburg.

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