Go(o)d Stories

von Volker Greve, Landwirt in Ratzeburg
Wir haben einen großen Bauernhof bei Ratzeburg und bauen hauptsächlich Spargel und Kartoffeln an, die wir in benachbarten Supermärkten und in unserem Hofladen verkaufen. Das vergangene Jahr war sehr schwierig für uns.

Das ganze Frühjahr bis Ende Juli war sehr trocken und heiß, wir haben die Felder beregnet wie die Weltmeister.
Im August schlug das Wetter dann völlig um, es wurde extrem nass, fast den ganzen September hat es bei uns durchgeregnet. Ich hatte unsere Kartoffeln in diesem Frühjahr in lehmigen Boden gepflanzt und Ende August stand ich auf dem Feld und habe mich verzweifelt gefragt: „Wie soll das dieses Jahr nur mit der Ernte werden?" Ich habe ein paar Kartoffeln rausgeholt, aber das war eine wahre Schlammschlacht, ich habe sie kaum aus dem Boden gekriegt, sie waren sehr klein, der Ertrag gering.
Da habe ich wirklich mit Gott gehadert und mit geballter Faust auf dem Feld gestanden. Das hat fast einen Tag gedauert. Doch dann hatte ich plötzlich den Eindruck, dass Gott zu mir ganz persönlich redet. Es war ein einfacher Satz: „Ich habe dich lieb." Das hat mich umgehauen, ich war platt, denn dem hatte ich nichts mehr entgegenzusetzen.
Anfang Oktober wurde das Wetter dann allmählich besser, aber der Boden war vom Regen immer noch so voll gesogen, dass ich mit dem Traktor kaum vorwärts kam. Ich habe in einer Stunde gerade mal 1,5 Kilometer geschafft – bei 66 Kilometer Kartoffeln hätte ich Ewigkeiten für die ganze Ernte gebraucht.
Doch plötzlich bin ich besser vorangekommen, am Ende habe ich die Ernte viel schneller geschafft als in den Jahren vorher. Und das zweite Wunder für mich war: Wir haben sehr schöne Kartoffeln geerntet, der Ertrag war drei bis vier Prozent höher als bei unseren Nachbarn. Das hat mich Gott gegenüber beschämt. Im nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich nicht ein bisschen was aushalten konnte und direkt bei Gott gemosert habe.

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