von Petra Bauer, Pforzheim
Das Thema „loslassen" begleitet mich schon fast mein ganzes Leben. Aktuell wurde es vor einiger Zeit, als unsere Kinder allmählich erwachsen wurden. Unsere älteste Tochter wollte nach dem Abitur ein Jahr nach Neuseeland...

Das war auch kein Problem für mich, damit konnte ich gut leben. Schwierig wurde es erst am Tag ihrer Rückkehr: Sie erklärte uns nämlich umgehend, dass sie erneut ein weiteres Jahr nach Neuseeland wollte.

Für mich schwang in diesem Entschluss die Aussage mit: „Wer weiß, ob ich überhaupt zurückkomme und nicht direkt dort bleibe..." Und diese Perspektive war für mich echt schwer zu akzeptieren. Sie hatte keine Ausbildung, keine konkrete Perspektive für ihre Zukunft. Wird sie dort nicht nur ausgenutzt? Das waren die Gedanken und Sorgen, die mich umtrieben und mir etliche schlaflose Nächte besorgten. Es hat auch die Beziehung zu unserer Tochter belastet, wir konnten nicht über ihren Entschluss reden, die Entscheidung stand für sie absolut nicht zur Diskussion.

Ich habe mich dann zum Gebet zurückgezogen und Gott immer wieder gebeten, dass meine Tochter ihren Entschluss rückgängig macht. An einem Tag drehte sich die „Losung" (die ich täglich lese) um David. Er durfte für Gott nicht den Tempel bauen. Zwar durfte er alle Vorbereitungen treffen, aber gebaut hat den Tempel dann sein Sohn Salomo.

Mitten in meiner Gebetszeit fiel es mir dann ein: Ich selbst wollte früher unbedingt nach Australien auswandern, einfach weg. Aber ich konnte es nicht, die Umstände haben es verhindert. Gott zeigte mir die Parallele zu David: Ich habe unsere Töchter immer zur Selbstständigkeit erzogen, das war mir sehr wichtig. Ähnlich wie David konnte ich nicht selbst gehen, aber ich habe vorbereitet, dass meine Tochter gehen konnte. Und mir kam die Frage in den Sinn: „Wer bin ich, dass ich mich ihr bei dieser Entscheidung in den Weg stellen könnte?"

Urplötzlich empfand ich tiefen inneren Frieden. Und jetzt konnte ich auch unbefangen mit meiner Tochter darüber reden. Sie ist dann tatsächlich noch ein Jahr nach Neuseeland gegangen – mit meinem Segen. Und sie hat mir irgendwann geschrieben und gedankt: Für alles, was wir ihr als Eltern mitgegeben haben. Damit komme sie überall auf der Welt zurecht...

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